Nachrichten aus Eilenburg

Kranzniederlegung

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zu Ehren der Opfer der beiden Weltkriege

Anlässlich des Volkstrauertages am 13. November fand eine Ehrung und Kranzniederlegung zum Gedenken an die Weltkriegsopfer an der Kriegsgräberanlage auf dem Stadtfriedhof statt. Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler und Heiko Leihe (Fachbereichsleiter Oberbürgermeisterbereich) legten am Mahnmal einen Kranz nieder. Andreas Flegel hielt die Rede an der Kriegsgräberanlage und sprach im Auszug nachfolgende Worte zum Gedenken an die Opfer:
„[…] Heute gedenken wir aber jener, die nicht alt starben, die ihr Leben noch nicht gelebt hatten. Wir gedenken der Menschen, die in Kriegen starben, die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaften wurden. Unter jedem Grabstein – wenn sie denn einen Grabstein haben – eine ganze Welt? Nein, wohl eher nicht erfüllte Träume, Wünsche, Ziele. Unter jedem Grabstein mindestens ein oder wie hier vor Ort mehrere, viele, ungelebte Leben.
Neben diesen Sammelgräbern finden sich aber auch noch einzelne mehr als 100 Jahre alte Grabstätten aus der Zeit des I. Weltkrieges auf diesem Friedhof.
In den vier Jahren Krieg von 1914 bis 1918 hatte die Stadt Eilenburg ihr Gesicht kaum verändert. Die Häuser sahen noch genauso aus wie zuvor. Doch hinter den Fassaden waren Welten zusammengebrochen. In fast jede Eilenburger Familie hatte der Krieg tiefe unheilbare Wunden gerissen. Von damals 18 000 Einwohnern hatten mehr als 800 junge Männer ihr Leben auf den Schlachtfeldern Europas verloren. Wenn man bedenkt, dass beispielswiese 1913 insgesamt in Eilenburg 245 männliche Kinder geboren wurden, heißt dies, dass gleich mehrere Jahrgänge junger Männer fast vollständig ausgelöscht wurden und die heimkehrten, fristeten zumeist seelisch und/oder körperlich verkrüppelt ein elendiges Dasein.
Nur wenige der Opfer fanden ihre letzte Ruhe in heimatlicher Erde. Die meisten von ihnen liegen auf den Schlachtfeldern Russlands, Frankreichs oder Belgiens begraben oder einfach nur verscharrt. Wenigstens Ihre Namen wurden aufgeschrieben und ihnen zu Ehren wurde ein Denkmal errichtet, um in Würde der Kriegstoten gedenken zu können […]
[…] Entgegen der Opfer der Kämpfe um Eilenburg warten die Gefallenen Eilenburger des II. Weltkrieges noch immer darauf, dass ihre Namen aufgeschrieben werden und ihrer dadurch würdevoll gedacht werden kann. Aber selbst das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges steht in Eilenburg nicht mehr. Es wurde wie die gesamte Altstadt Eilenburgs am Ausgang des II. Weltkrieges vollends zerstört. […]

[…] Wir gedenken heute in erster Linie den unzähligen Gefallenen zweier Weltkriege, gedenken der unzähligen Menschen die durch den Krieg aus ihren Familien gerissen wurden und bis heute Lücken hinterlassen haben, gedenken der unzähligen zivilen Kriegsopfer, gedenken der unzähligen Ermordeten, die aufgrund verstiegener Ideologien sinnlos ihr Leben lassen mussten, gedenken all der Opfer von Krieg, Hass Vertreibung und Terror. Das Gedenken der Toten ist für uns Mahnung, aus der Vergangenheit Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen und danach zu handeln. Wann immer und wo immer wir heute helfen können, wenn wir einen Beitrag leisten können, Versöhnung zu schaffen, wenn wir helfen können, Menschen vor Gewalt und Terror zu schützen, dann müssen wir es tun. Wir müssen moralisch handeln. Wir dürfen nicht wegschauen, nur, weil dies bequemer und in unseren Stuben für uns wärmer wäre. Wir können unsere Vergangenheit nicht ändern, aber wir können sie verstehen, aus ihr lernen und dafür sorgen, dass sich Fehler nicht wiederholen.“

Allen Opfern wurde im Anschluss in einer Schweigeminute Achtung und Ehre erweisen. Die „Loberkainer“ haben die Kranzniederlegung musikalisch umrahmt.

Foto oben: Oberbürgermeister Ralf Scheler (links) und Heiko Leihe (rechts) führen den Zug zur Gedenkstätte an.

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